05.02.10 | Keine Revanchegelüste
In den letzten zehn Monaten hat sich vieles verändert.
Der Fußball, so sagt man, ist ein schnelllebiges Tagesgeschäft. Dass diese Floskel zwar abgedroschen ist, aber dennoch wahr bleibt, zeigt sich an diesem Wochenende wieder einmal recht deutlich. Wenn nämlich der FC Bayern morgen beim VfL Wolfsburg antritt, dann denken die meisten Fans sogleich an einen Tag im April 2009 zurück, an dem zwar nicht alles, aber doch sehr vieles ganz anders war, als es im Moment ist.
Am 4. April 2009 übernahm der VfL durch einen 5:1-Sieg gegen den FC Bayern die Tabellenführung der Bundesliga. Jetzt, nur zehn Monate später, ist der Klub so weit vom ersten Platz (und den Bayern) entfernt, dass ihn nicht einmal sechs Siege in Folge auf Rang eins bringen würden. Zudem müssen die Wölfe die Partie gegen die Roten nicht bloß ohne ihren damaligen Trainer Felix Magath angehen, sie werden inzwischen nicht einmal mehr von Magaths Nachfolger geführt: Ende Januar entband man Armin Veh in Wolfsburg von seinen Aufgaben und ersetzte ihn - womöglich nur vorläufig - durch Lorenz-Günther Köstner. Der wiederum betreute im April 2009 gerade erst seit ein paar Monaten die Wolfsburger Amateure in der Regionalliga.
Und bei den Bayern hat sich seither ebenfalls viel verändert, angefangen damit, dass auch der Rekordmeister nicht nur einen, sondern schon zwei Trainer weiter ist. Selbst die Mannschaft, die vor zehn Monaten in Wolfsburg so deutlich geschlagen wurde, hatte ein völlig anderes Gesicht als heute: Lucio, Luca Toni, Lukas Podolski und Tim Borowski wurden transferiert, Breno, José Ernesto Sosa sowie Andreas Ottl ausgeliehen und Michael Rensing hat seinen Stammplatz mittlerweile an Jörg Butt verloren. Anders gesagt, es kann am 21. Spieltag der Saison 2009/2010 eigentlich nicht um eine Revanche gehen. Eigentlich. "Wenn ein so großer Verein gedemütigt wird, vergisst er das nicht", sagte Köstner unter der Woche, was ein wenig so klingt, als mache er sich Sorgen. Auch Bayern-Trainer Louis van Gaal sagt: "Eigentlich glaube ich nicht daran, dass das noch in den Köpfen ist, aber vielleicht kann ich es trotzdem nutzen."
Dass der Coach diese Motivationshilfe braucht, ist eher unwahrscheinlich. Seine Elf hat einen Lauf, spielt tollen Fußball und auch im Umfeld ist die Stimmung so gut, dass nur echte Banalitäten im Moment für Schlagzeilen sorgen - etwa die Frage, ob Robben mit langer Unterhose auflaufen darf oder nicht. (Antwort: Er darf, wenn ihre Farbe mit der Farbe der Trikothose übereinstimmt.) Ansonsten vermeldet der Klub vor dem Spiel beim amtierenden Meister, dass die Verträge mit Daniel van Buyten (bis 2012), Thomas Müller (bis 2013) und Holger Badstuber (bis 2014) verlängert wurden - und dass es nichts Neues im Fall Franck Ribéry gibt. Jedenfalls sagt sein Trainer: "Ribéry wird immer fitter, weil er immer eine Woche mehr in seinen Beinen hat. Aber ich muss ihn auch in eine funktionierende Mannschaft integrieren. Das ist schwierig, weil ich das in einem Ligaspiel tun muss und nicht in der Vorbereitung tun konnte."
Was im Grunde bedeutet, dass van Gaal sich damit schwer tut, eine Mannschaft zu ändern, die von Sieg zu Sieg eilt. Vermutlich hätten die Fans nichts dagegen, wenn sich diese Situation auch am Samstagabend noch nicht geändert hat. Schließlich gab es in den letzten Monaten schon Veränderung genug.