19.02.10 | Auf den Gipfel trotz Doppelbelastung?
Bayern und Franken bestreiten das 180. Derby.
"Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir Erster sind", sagte Mark van Bommel vor einigen Tagen mit bestem bayerischem "Mia san mia"-Selbstbewusstsein. Vielleicht ist diese Zeit schon an diesem Wochenende gekommen, wenn die Bayern zum 180. bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg antreten und Leverkusen einen Tag später im Weserstadion spielen muss. Selbst der Trainer des kommenden Gegners gibt nämlich van Bommel Recht: "Für mich ist klar, dass die Bayern Deutscher Meister werden und derzeit einen Lauf haben", sagt Dieter Hecking.
Nachdem Bayern-Coach Louis van Gaal in den letzten Wochen bei seiner Aufstellung eigentlich stets die Qual der Wahl hatte, muss er allerdings im Vorfeld des Derbys die Elf umbauen, die den besagten Lauf hat. Daniel van Buyten hat sich am Mittwoch in der Champions League bei einem Schlag gegen die Wade einen Muskelfaserriss zugezogen und fällt ein bis zwei Wochen aus. Mit großer Wahrscheinlichkeit rückt Holger Badstuber für den Belgier in das Zentrum der Abwehr. "Holger hat schon zu Beginn der Saison in der Innenverteidigung gespielt und das gut gemacht", sagt Torwart Jörg Butt.
Nürnbergs Kapitän Andreas Wolf, der zur Elf gehörte, die vor drei Jahren den bislang letzten Sieg gegen den FCB schaffte, ist derweil nicht besonders zuversichtlich, diesen Streich morgen wiederholen zu können: "Man muss sehen, in welcher Lage wir jetzt sind und wie stark sich die Bayern derzeit präsentieren. Ein Sieg ist schwer, aber nicht unmöglich", sagt er. Auch Club-Manager Martin Bader äußert sich verhalten. "Die Bayern haben in allen Bereichen eine einmalige Vormachtstellung erlangt", sagt er. "Wenn wir zehnmal gegen sie spielen, werden wir wahrscheinlich achtmal verlieren."
Allerdings können die Franken auf zwei Spieler bauen, die über den FC Bayern bestens Bescheid wissen: die in der Winterpause ausgeliehenen Breno und Andreas Ottl. "Wenn wir in der Mitte kompakt stehen", sagt Ottl, "haben wir eine Chance." Dabei wird dem Club ein weiterer Neuzugang helfen, der vom Hamburger SV ausgeliehene Mickael Tavares. Man sieht schon, Nürnberg war in der spielfreien Zeit nicht untätig, sondern hat aufgerüstet. Und jeder, der die Mannschaft in der Rückrunde hat spielen sehen, wird zugeben, dass die Elf einen viel besseren Eindruck macht und erheblich kompakter steht als in der ersten Saisonhälfte. Allerdings wird sie dafür nur selten belohnt.
Und das soll sich nach Möglichkeit am Samstag nicht ändern, auch wenn Bader auf den Europacup-Effekt hofft: "Vielleicht nehmen die Bayern zwischen ihren Florenz-Spielen das Derby nicht ganz so ernst", sagte er. Diesen Zahn zog ihm allerdings einer seiner Profis fast umgehend, denn FCB-Experte Ottl meint: "Die Münchener kennen die Doppelbelastung bestens. Ich denke nicht, dass deren Champions-League-Teilnahme ein Vorteil für uns ist. Bayern kann sich in der Liga keine Punktverluste mehr leisten." Im Gegenteil, das Team nimmt morgen einen weiteren Anlauf, den Tabellengipfel zu erklimmen. Zu Leverkusen fehlt nur noch ein Törchen - und Bayer 04 hat das schwere Spiel in Bremen vor der Brust. Wie sagte Bastian Schweinsteiger am vergangenen Wochenende? "Wir nähern uns. Irgendwann haben wir die Spitze."