05.03.10 | Vom Jäger zum Gejagten
Morgen gibt es ein Wiedersehen mit Lukas Podolski.
Lange, viel zu lange hat es gedauert, bis die Bayern mal wieder die Tabellenführung in der Bundesliga übernehmen konnten. Und nun, da es endlich geklappt hat, soll Platz eins auch am Samstag beim 1. FC Köln verteidigt werden. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht: In den vergangenen knapp 20 Jahren wurden die Bayern in der Domstadt nur einmal geschlagen, zudem gab es rechtzeitig vor dem Spiel gute Nachrichten aus der Krankenabteilung.
Zwar wird Martin Demichelis ausfallen, der sich beim Länderspiel zwischen Argentinien und Deutschland Gesichtsverletzungen zugezogen hat, aber dafür meldete sich Daniel van Buyten einsatzfähig. Der Belgier hat den Muskelfaserrisses überstanden, der ihn zwei Wochen außer Gefecht setzte, und kehrt in die Innenverteidigung zurück. Somit muss Trainer Louis van Gaal nicht gleich beide zentralen Abwehrspieler ersetzen, was ja einen kompletten Umbau der Hintermannschaft erfordert hätte.
Auf die dürfte es morgen am Rhein sicherlich ankommen, denn man kann davon ausgehen, dass Lukas Podolski gegen seinen Ex-Verein sehr motiviert sein wird. Zwar sagte der Stürmer in einem Interview mit dem Fachblatt "kicker", dass ihn seine mangelnde Torausbeute nicht belastet ("Ob ich 1.500 oder 1.600 Minuten ohne Tor bin, ist nur für die Statistik und die Presse interessant - ich komme da raus"). Dennoch kann als sicher gelten, dass es ihn doppelt freuen würde, wenn der Knoten ausgerechnet gegen den Rekordmeister platzt.
Allerdings tun sich die Kölner daheim nun schon traditionell schwer, wenn es darum geht, Tore gegen die Bayern zu schießen. In den letzten sechs Heimspielen schaffte der Klub nur vier Treffer gegen den FCB - und verlor alle sechs Partien. Und selbst wenn ihm mal zwei Tore in 90 Minuten gelangen, wie zuletzt im Oktober 1996, reichte das nicht: Damals gewannen die Roten von der Isar 4:2 am Rhein. In den letzten - man mag es kaum glauben - 19 Jahren konnte der ruhmreiche 1. FC Köln nur ein einziges Heimspiel gegen die Bayern gewinnen, das war am 1. April 1995, als Toni "Doppelpack" Polster seinem Spitznamen alle Ehre machte.
Damals spielte Christian Lell noch in der Jugend von Alemannia München, so lange ist das her. Jetzt, im Vorfeld der morgigen Partie, ist Lell ein gefragter Mann, schließlich war er mal zwei Jahre lang vom FCB an die Geißböcke ausgeliehen. Die offizielle Homepage des 1. FC Köln führte daher ein Gespräch mit dem waschechten Münchener, der seinem Ex-Arbeitgeber wenig Hoffnung machte. "Ich denke, es wird eine klare Sache", sagte Lell. "Der FC Bayern hat lange auf den Moment gewartet, endlich wieder Tabellenführer zu sein. Jetzt sind wir es wieder und alle, die die Bayern kennen, wissen, wie schwer es wird, uns da nun wieder wegzuholen und gegen uns zu punkten. Deswegen rechne ich am Samstag mit einem Sieg."