10.03.10 | Bayern trotzen italienischem Sturm
Erst nach harten 90 Minuten konnte gefeiert werden.
Nach fußballerisch (und auch meteorologisch) spektakulären und aufregenden 90 Minuten in Florenz hat der FC Bayern das Viertelfinale der Champions League erreicht. Nach dem 2:1-Hinspielsieg reichte den Roten eine 2:3-Niederlage gegen den gastgebenden AC. Der am Ende entscheidende Treffer gelang Arjen Robben mit einem sensationellen Schuss - nur 70 Sekunden nach dem dritten Tor der Italiener.
"Wir haben heute ein sehr emotionales Spiel erlebt", sagte Karl-Heinz Rummenigge nach dem Abpfiff. "Jetzt sind wir erst einmal glücklich, dass wir in die Runde der letzten acht eingezogen sind. Das war unser Ziel und das konnte man von uns erwarten." Emotional - das kann man durchaus sagen. Denn bei widrigen äußeren Bedingungen - Temperaturen um den Gefrierpunkt, Regen und extrem starker Wind - hatten die Bayern Probleme, ins Spiel zu kommen, was die Partie schließlich daramatisch werden ließ. Denn in der 28. Minute bekam Torwart Jörg Butt Probleme mit einem Weitschuss von Marco Marchionni, konnte ihn aber trotz des starken Windes zur Seite abwehren - doch ausgerechnet dort stand Juan Manuel Vargas, der das Leder zum 1:0 ins lange Eck hämmerte.
Nun waren die Bayern unter Zugzwang und prompt hatte Arjen Robben auch eine gute Chance, die Keeper Sebastien Frey glänzend vereitelte (34.). Doch im Großen und Ganzen lief das Spiel der Gäste vor der Pause und gegen den Wind nicht wie gewünscht. Dennoch sagte Trainer Louis van Gaal später: "Ich habe immer ein gutes Gefühl gehabt. In der Halbzeit habe ich den Spielern gesagt, dass wir ruhig bleiben, Geduld haben und den Ball flach halten müssen." Trotzdem begann der zweite Durchgang mit einer kalten Dusche: Alberto Gilardino spielte per Hacke Stevan Jovetic frei, der Butt aus wenigen Metern keine Chance ließ - 2:0.
Das aber war nur der Startschuss für die turbulenteste Phase in der Partie. Zuerst zog Franck Ribéry auf dem linken Flügel gleich vier Gegner auf sich, die dann natürlich in der Mitte fehlten. So legte der Franzose den Ball quer zu Mark van Bommel und der Kapitän des FC Bayern schoss das Leder aus zentraler Position sehr platziert neben den linken Pfosten ins Netz (60.). Jetzt drohte eine Verlängerung, doch nur vier Minuten lang. Wieder setzte Gilardino seinen Sturmpartner Jovetic ein, der gegen Daniel van Buyten den Ball behauptete und Butt überwand (64.). Aber die Bayern hatten ja noch einen zweiten Flügelspieler ...
Denn das 3:2 hatte seinen Ausgangspunkt auf der rechten Seite, von wo Robben abrupt nach innen zog, an zwei Florentinern vorbeiging und dann wuchtig aus mehr als 25 Metern in den linken oberen Torwinkel schoss! "Ich weiß nicht, ob Arjens Super-Tor ohne den Wind reingegangen wäre", grinste Bastian Schweinsteiger später. "Aber wir sind froh, dass wir weitergekommen sind. Das war unser Ziel." Allerdings sah der Nationalspieler die Gelbe Karte und wird beim Hinspiel im Viertelfinale zusehen müssen.
Dass dieses Viertelfinale in Florenz nicht mehr in Gefahr geriet, lag nach Robbens tollem Tor auch an der Abwehr die Bayern, die die Sache spät, aber nicht zu spät in den Griff bekam. Auch der erst 17-jährige David Alaba ließ nun nichts mehr anbrennen und hatte sogar die meisten Ballkontakte aller Akteure an diesem Abend. So blieb der einzige Wermutstropfen des Spiels eine Verletzung von Mario Gomez - der Stürmer zog sich früh einen Muskelfaserriss zu. Entscheidend aber war etwas anderes: "Wir sind unter den besten acht - das ist ein großer Erfolg", sagte Manager Christian Nerlinger.