17.06.10 | Mit Schweinsteiger gegen Serbien
Bastian wurde zuletzt geschont.
Trotz Vuvuzelas, Defensivfußball und Kälteeinbruch in Südafrika: Unter den deutschen Fans ist nach dem tollen Auftaktspiel der DFB-Elf endgültig das WM-Fieber ausgebrochen. Für so manchen Anhänger hat sich die Woche sicher wie Kaugummi hingezogen, mit solcher Spannung und Vorfreude erwartet das Land den nächsten Auftritt seiner Mannschaft. Morgen ist es nun endlich so weit - zu einer ungewohnten Anstoßzeit, dafür aber gegen alte Bekannte.
Das sogar im doppelten Sinn. Gegen kein Team hat Deutschland bei Weltmeisterschaften nämlich so oft gespielt wie gegen Serbien, genauer gesagt: wie gegen Serbiens Vorläufermannschaft Jugoslawien. Zudem kennt man in Deutschland auch viele der Spieler im aktuellen serbischen Kader sehr gut, etwa Dortmunds Neven Subotic, Antonio Rukavina von 1860 München, den Herthaner Gojko Kacar, den Noch-Kölner Zoran Tosic oder Zdravko Kuzmanovic vom VfB Stuttgart. Diese Liste von guten Spielern allein zeigt schon, dass man die Serben trotz ihrer Niederlage gegen Ghana nicht unterschätzen darf. Und wer dann noch weiß, dass aus diesem Bundesliga-Quintett wohl nur Subotic morgen in der Startelf sein wird, der ist wirklich gewarnt.
"Wir haben viel gutzumachen", sagt Kuzmanovic vor dem Duell, das um 13.30 Uhr in Port Elizabeth beginnt, "denn wir haben gegen Ghana keine gute Leistung abgerufen und nicht den Fußball gezeigt, den wir während der WM-Qualifikation gezeigt haben." So sieht das auch Tosic, der sich sicher ist, dass seine Mannschaft morgen anders auftritt: "Jeder wird mehr zeigen als gegen Ghana", sagt er. "Wenn es wieder schief geht, kann man nach diesem Match nichts mehr reparieren."
Dieses Problem hat die deutsche Elf natürlich nicht, denn durch das deutliche 4:0 gegen Australien hat sie es vermieden, schon am zweiten Spieltag ein Alles-oder-nichts-Match vor der Brust zu haben. Allerdings darf man bei aller Euphorie im deutschen Lager auch nicht übersehen, dass sich das ganz schnell ändern kann. "Ich möchte keine Spaßbremse sein, aber wir haben noch nichts erreicht", sagt Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalelf. "Wir wissen, dass die Serben heiß sind. Für sie ist es eine nationale Angelegenheit, ein Jahrhundertspiel." Und er wies auch darauf hin, wie rasch Deutschland in die unangenehme Situation kommen könnte, am Mittwoch ausgerechnet gegen ein afrikanisches Team, Ghana, punkten zu müssen.
So ist die Marschroute klar: Das Team geht die Aufgabe gegen Serbien mit Respekt und Konzentration an, wird aber trotz aller Lockerheit alles tun, um zu siegen. "Wenn wir wie gegen Australien spielen, werden wir gewinnen", sagt Mesut Özil mit Selbstbewusstsein, aber ohne Überheblichkeit. Das - also wie gegen Australien spielen - kann die deutsche Mannschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest von der Aufstellung her am Freitag tun. Bastian Schweinsteiger, der zuletzt vom Training befreit wurde, weil ihn ein Infekt plagte, ist spielfähig, womit Bundestrainer Joachim Löw die Elf ins Rennen schicken könnte, die auch am Sonntag begann.