07.07.08 | Viel Spaß, tolle Fans
Bastian Schweinsteiger mit Angela Merkel
Ich habe mich ja jetzt einige Wochen lang nicht bei euch gemeldet, genauer gesagt: seit dem Telefon-Interview, das ich dem Webteam kurz vor EM-Beginn aus dem Mannschaftshotel gegeben habe. Aber ich denke, ihr habt Verständnis dafür, dass wir während des Turniers alle Konzentration auf das Sportliche gerichtet haben.
Und das hat sich ja auch ausgezahlt. Wir sind stolz darauf, was wir als Team erreicht haben, auch wenn es am Ende nicht zum ganz großen Wurf gereicht hat. Auch mit meiner eigenen Leistung war ich zufrieden. Ich konnte mein wahres Gesicht zeigen und denke, dass ich auch in den Partien gegen Polen und Kroatien schon ganz ordentlich gespielt habe. Die Aktion, die in der zweiten Begegnung zu einer Roten Karte gegen mich geführt hat, war natürlich ein Fehler, der mir nicht hätte passieren dürfen.
Aber alles in allem ist das Fazit der EM positiv. Das Turnier hat großen Spaß gemacht und wir sind froh, dass wir so weit gekommen sind. Dazu haben auch die tollen Fans beigetragen, die uns in jedem Spiel in sehr großer Zahl unterstützt haben. Und ich zähle auch alle Fans dazu, die nicht selbst im Stadion sein konnten. Zum einen haben wir die Berichte aus der Heimat gesehen und mitbekommen, wie grandios die Stimmung wieder bei den Public Viewings war. Zum anderen habe ich ab und zu Zeit gefunden, eure Einträge im Gästebuch zu lesen, und möchte mich auf diesem Weg noch einmal für eure Unterstützung bedanken! Es hat mich sehr gefreut, dass ihr auch in der schwierigen Anfangsphase zu mir gehalten habt.
Ich habe auch gesehen, dass ihr besonders viele Fragen zum Österreich-Spiel hattet. Und das war ja auch wirklich eine komische Situation für mich. Schon als ich mit Oliver Bierhoff zu meinem Platz auf der Tribüne gegangen bin, war es sehr ungewöhnlich. So viele Politiker habe ich noch nie bei einem Fußballspiel gesehen, ganz abgesehen von Stars wie Boris Becker. Vor mir saß Gérard Houllier und im Verlauf des Spiels kam dann ja noch ein Trainer hoch ...
Als Joachim Löw auf die Tribüne verbannt wurde, dauerte es eine ganze Weile, bis er zum Platz neben mir kam, weil er unterwegs viele Hände schütteln musste. Obwohl die Mannschaft unten eine ganz wichtige Partie spielte und er gerade aus dem Innenraum verwiesen worden war, war der Trainer sehr ruhig und gefasst. Natürlich hat er sich bei einigen Szenen etwas aufgeregt, aber im Großen und Ganzen war er bewundernswert locker. Manchmal haben wir Spielzüge zusammen analysiert und er hat erklärt, wie man etwas besser hätte lösen können. Es war schon eine sehr ungewöhnliche Situation für mich, das Ganze von oben und in Gesellschaft des Trainers zu sehen.
Interessant war auch das Gespräch mit Frau Merkel, auf das viele von euch im Gästebuch eingegangen sind. Ich war überrascht davon, wie gut sie das Spiel gelesen hat. Sie hat zum Beispiel von sich aus zur Sprache gebracht, dass Philipp Lahm sehr viel Raum auf seinem Flügel hatte.
Aber das alles ist ja nun schon wieder Vergangenheit. Am 17. Juli ist für uns Nationalspieler Trainingsstart - und bis dahin bin ich jetzt ein paar Tage im Urlaub, um mich zu erholen.
Macht's gut und genießt den Sommer!
