08.12.09 | Schwierig, aber machbar
Die Zeremonie lief, als wir gerade im Bus saßen.
Hallo Leute!
Heute will ich mich mal wieder schriftlich bei euch melden, nicht per Videobotschaft. Ich sitze gerade im Hotel in Turin, doch auf das Champions-League-Spiel gegen Juventus möchte ich gleich erst eingehen. Zuerst zum großen Thema des kommenden Jahres, das seine Schatten schon vorauswirft, der Weltmeisterschaft.
Ich konnte die Auslosung am Freitag nicht verfolgen, weil wir ja das Spiel gegen Gladbach hatten und die Zeremonie lief, als wir gerade im Bus saßen, der uns zur Allianz Arena brachte. Im Bus sind die Handys aus, daher wussten wir von nichts, als wir am Stadion eintrafen. Aber unser Trainer Louis van Gaal hatte uns im Vorfeld versprochen, uns alle auf dem Laufenden zu halten, und das hat er dann auch getan.
In der Kabine hing nämlich ein Plakat, auf dem man die Aufteilung der einzelnen Gruppen sehen konnte. Ich finde, diese Art der Information hat der Verein gut geregelt, denn zum einen gibt es in der Mannschaft ja Spieler aus einigen Ländern, die bei der WM dabei sind, nicht nur uns Deutsche, und jeder wollte wissen, gegen wen er im Sommer spielen muss. Zum anderen wurde so vermieden, dass Gerüchte gestreut werden und wir vielleicht von Journalisten auf Sachen angesprochen werden, von denen wir keine Ahnung haben.
Meine Einschätzung unserer Gruppe unterscheidet sich nicht sehr von dem, was die meisten anderen Leute auch sagen. Bei einem solchen Turnier wird man nicht in eine einfache Gruppe gelost, denn alle Mannschaften, die antreten, haben sich schon durch eine Qualifikation gekämpft, es sind also keine totalen Exoten mehr im Rennen. So gesehen ist unsere Gruppe schwierig, aber machbar.
Die Australier sind wohl am schwersten einzuschätzen, weil sie sich gegen Mannschaften durchgesetzt haben, die man hierzulande nicht gut kennt. Aber ich bin mir sicher, dass unser Trainerteam uns gut auf diesen Gegner einstellen wird.
Die Spieler Ghanas sind körperlich sehr gut drauf und haben zudem eine Art von Heimvorteil. Noch kann niemand sagen, wie groß der am Ende sein wird und ob die neutralen Zuschauer wirklich generell alle afrikanischen Teams unterstützen werden, aber man muss darauf vorbereitet sein. Schließlich muss man sagen, dass Teams wie Ghana inzwischen auch taktisch bestens geschult sind. Sie haben ja nicht nur in der Regel europäische Trainer, sondern auch viele Spieler, die in Europa ihr Geld verdienen. Denken wir nur an einen absoluten Topstar wie Michael Essien von Chelsea.
Über die Stärke Serbiens muss man nicht mehr viel sagen. Die haben die Franzosen in die Playoffs geschickt und die meisten ihrer Spieler kennt man gut. Ein Blick auf die Aufstellung Serbiens zeigt jedem, was uns da erwartet.
Trotzdem: Wir können und wollen die Favoritenstellung nicht wegschieben. Wir sind eine Turniermannschaft und haben bei großen Wettbewerben immer gut ausgesehen - das ist ein psychologischer Vorteil, der auch unsere Gegner nicht unbeeindruckt lassen wird. Vor Deutschland haben alle Mannschaften Respekt.
Und das lässt sich auch über den FC Bayern sagen. Wir müssen zwar gegen Juventus gewinnen, um in der Champions League zu bleiben, aber das ist nicht unmöglich. Ich gehe davon aus, dass auch Juve diese Situation - eine Partie mit Endspielcharakter gegen den FC Bayern - lieber vermieden hätte. Wir wissen, dass es um viel geht, auch für den ganzen Verein, aber die letzten Ergebnisse haben uns Selbstvertrauen gegeben. Niemand muss uns motivieren, wir sind bester Stimmung - und ich denke, die Chancen sind nicht so schlecht.
Drückt uns die Daumen!
Viele Grüße,
euer
